Informationen der Graf-Pückler-Stiftung
zum Naturstromspeicher-Projekt
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Die Graf von Pückler und Limpurgsche Wohltätigkeitsstiftung steht seit einigen Wochen mit im Fokus einer Debatte über das Projekt Naturstromspeicher Gaildorf.
Wir möchten mit diesem Info-Schreiben offen und transparent über die Hintergründe unserer Beteiligung am Projekt Naturstromspeicher Gaildorf informieren.
Wir haben zu diesem Zweck kritische Fragen an uns gesammelt und beantworten diese in den nachfolgenden Ausführungen.
Wolfgang Lorenz, Stiftungsratsvorsitzender
Markus Steeb, Stiftungsvorstandsvorsitzender
Dekan Dr. Rainer Uhlmann, Stiftungsrat
Matthias Rebel, Stiftungsgeschäftsführer
Wie sind die politischen Rahmenbedingungen?
Die Landesregierung in Baden-Württemberg möchte bis 2020 den Bau von 1.000 neuen Windkraftanlagen forcieren. Dazu sollen die Kommunen auf ihren Gemarkungen Vorranggebiete für Windkraft ausweisen. Bereits jetzt gibt es außer dem Naturstromspeicherprojekt weitere Anfragen für die Errichtung von Windkraftanlagen im Limpurger Land.
Das Projekt Naturstromspeicher zeichnet sich gegenüber den Anlagen anderer Interessenten dadurch aus, dass die Bürger bereits sehr frühzeitig über geplante Standorte und Dimensionen informiert wurden.
Worum geht es beim Naturstromspeicherprojekt?
Mit der Pilotanlage Naturstromspeicher soll in Gaildorf eine weltweit einzigartige Kombination aus Windkraft und Wasserkraft entstehen. Für diese Anlage sind die räumlichen Voraussetzungen in Gaildorf optimal.
Vor einiger Zeit wurde planerisch der Bereich einer Flutmulde festgelegt, die als Ausgleichsmaßnahme normalerweise von der Stadt Gaildorf gebaut werden müsste. Diese kann nun ideal in ein Unterbecken vom Projekt integriert werden. Anstelle eines Oberbeckens wird das Wasser in den Türmen der Windkraftanlagen gespeichert. Dadurch entfällt ein wesentlich stärkerer Eingriff in die Natur, was dem Projekt eine besondere Aufmerksamkeit im Bereich des Naturschutzes verschafft. Deshalb sollen die Windräder und die Wasserspeicherung auch nicht räumlich voneinander getrennt werden.
Die Rohrleitungen, die Berg und Tal miteinander verbinden, werden in vorhandenen Wegen verlegt. Das Pumpspeicherkraftwerk soll am Rande einer brachliegenden Gewerbefläche gebaut werden. Eine Umspannstation befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Projekt. Der Naturstromspeicher kann ca. 10.000 Haushalte mit Strom versorgen.
Von Anfang an machen sich die Projektentwickler Gedanken über die Möglichkeit einer Teilhabe von Bürgern, z.B. durch den Erwerb von Anteilen. Von Anfang an wird geprüft, inwieweit eine Direktvermarktung des Stroms über weitere Partner möglich ist.
Welche Rolle spielt die Graf-Pückler-Stiftung beim Naturstromspeicherprojekt?
Die Stiftung stellt drei Grundstücke als Standort für die Windkraftanlagen, die mit einem Wasserspeicher kombiniert werden, zur Verfügung. Außerdem werden auch Wegeflächen für die Rohrleitungen zur Verfügung gestellt.
Wie viel Geld bekommt die Stiftung für diese Grundstücke?
Die Stiftung verhandelt gemeinsam mit der Stadt Gaildorf mit dem Projektentwickler über einen Erbbaurechtsvertrag. Dieser Vertrag wird für die Dauer von 60 Jahren abgeschlossen. Er sieht vor, dass die Grundstückseigentümer für die Grundstücke einen Erbbauzins erhalten. Dieser Erbbauzins hängt von der Ertragskraft der Anlage ab. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Wir gehen derzeit von einem jährlichen Erbbauzins in der Größenordnung von rund 40.000 EUR pro Windkraftstandort aus. Dies entspricht nach unseren Erkenntnissen rund 4% des Jahresstromerlöses. Wirtschaftet die Anlage 10 Jahre lang besonders gut, soll es einen Bonus geben.
Was macht die Stiftung mit dem Geld?
Da die Stiftung schon heute Überschüsse erwirtschaftet und für die Verwaltung der Erbbaugrundstücke kein zusätzlicher Aufwand entstehen würde, könnte der Erbbauzins vollständig für Vorhaben im Sinne des Stiftungszwecks gespendet werden.
Die Stiftung ist gemeinnützig tätig. Sie spendet ihre Erträge für wohltätige Zwecke im Sinne des Stiftungszwecks. So profitiert Gaildorf und das Limpurger Land an vielen Stellen von den Erträgen der Stiftung. Gemeinsam mit dem Graf-Pückler-Heim e.V. ist die Stiftung für rund 90 Menschen ein wichtiger Arbeitgeber und Auftraggeber für Handwerk und Gewerbe.
Die Stiftung unterstützt das Graf-Pückler-Heim, damit mehr für alte und pflegebedürftige Menschen getan werden kann, als es die Erträge aus Heimentgelten ermöglichen würden. Die Stiftung hat mit ihren Erträgen auch den Weiterweg gebaut, ein Natur- und Besinnungspfad im Wald, der von der Öffentlichkeit sehr gut angenommen wird und von uns gepflegt und erhalten wird.
Die Stiftung kümmert sich ferner um Kinder und Jugendliche, die keine guten Startbedingungen ins Leben haben. So werden Einrichtungen unterstützt, die hierfür im Bereich der Diakonie gute Konzepte und innovative Projekte entwickelt haben. Im Raum Gaildorf wird z.B. die Sprachhilfe seit vielen Jahren immer wieder finanziell unterstützt.
In den letzten 10 Jahren erhielt das Graf-Pückler-Heim Spenden in Höhe von rund 3 Mio EUR. Die anderen Hilfsbereiche erhielten rund 1,2 Mio EUR.
Wird durch den Bau der Anlagen nicht in erheblicher Weise Natur zerstört?
Aus subjektiver Sicht derjenigen, die den Weg zu den drei Anlagen als ihren Spazierweg ausgewählt haben, mag das so aussehen. Bezogen auf unseren Wald ist der Eingriff rudimentär. Unsere stiftungseigene Waldfläche im Limpurger Land beträgt 1.700 ha.
Wir betreiben diese Flächen im Sinne einer nachhaltigen und naturnahen Waldwirtschaft. Selbstverständlich werden diese Flächen von der Öffentlichkeit auch zur Freizeit und Erholung genutzt. Für den Bau der drei Anlagen wird mit einer Inanspruchnahme von Flächen pro Standort von rund 0,45ha gerechnet. Das sind 0,08% unserer gesamten Waldfläche. Die Planungen gehen dahin, dass die bebaute Fläche am Ende der Baumaßnahmen insgesamt rund 0,9ha betragen wird. Jede andere Energieform verbraucht bei einer vergleichbaren Leistung mehr Landschaft als dieses Projekt.
Wie stehen die Förster zu dem Projekt?
Unsere Förster, sowie unsere Forstwirte befürworten das Projekt. Ohne deren Einverständnis hätte der Stiftungsrat kein Einvernehmen erteilt.
Entstehen im Wald wegen der Zubringung der Bauteile jetzt autobahnähnliche Strassen?
Es ist vereinbart, dass die Zubringung der Bauteile für die Windkraftanlagen nur über die Winzenweiler Steige Richtung Krämersreute, Eichelgartenhütte und zurück erfolgen darf und nicht über das Gläserswaldsträsschen im Bereich Münster/Gläserswaldhütte.
Für die Baufahrzeuge wird der Waldweg von derzeit 3-4 Metern auf 5 Meter verbreitert.
Es erfolgt keine Asphaltierung, es bleibt beim herkömmlichen Schotteraufbau.
Sind die Stiftungsgrundstücke für die Windkraftanlagen nicht viel zu nah an besiedeltem Gebiet?
Wenn man Gebiete mit Windkraftanlagen in Baden-Württemberg besucht, wird man feststellen, dass die Anlagen zum Teil näher als 300m an besiedelten Flächen oder Höfen heranreichen. Da entstanden Probleme mit Schattenwurf und Lärmbelästigung, wenngleich man dort auch Menschen antreffen kann, denen die Nähe zu den Anlagen nichts ausmacht.
Der Regionalverband Donau-Iller hat nun als erster Verband einen Mindestabstand für neue Anlagen von 800m zu Siedlungen festgelegt. Beim vorliegenden Projekt liegen die Abstände der Stiftungsgrundstücke deutlich darüber. Am nächsten befindet sich der Eisbachhof mit einer Entfernung von rund 1km. Außerdem das Steigenhaus mit 1,1km. Alle anderen Besiedelungen beginnen bei Abständen von mindestens 1,2 km (Gaildorf und Winzenweiler) und mindestens 1,4km (Münster).
Dabei ist zu beachten, dass sich die Standorte auch noch geringfügig ändern können. Bisher wurden Flächenfenster mit einer Größe von rund 5.000m² festgelegt, innerhalb denen eine genaue Fixierung unter Berücksichtigung der Belange von allen Beteiligten erfolgen wird, wenn das Projekt genehmigt wird.
Mit Mindestabständen von deutlich über 1km zu den im Zusammenhang bebauten Ortsteilen befinden wir uns aller Erfahrung nach in einem sehr gut verantwortbaren Bereich. Einen zusätzlichen positiven, geräuschdämpfenden Effekt werden die Höhenlage und die Bewaldung bringen.
Werden die Anlagen an der Hangkante stehen?
Die Flächenfenster für die Anlagen reichen nicht bis zu irgendwelchen Hangkanten, sondern sind entlang des Höhenwegs Krämersreute-Eichelgarten-Eichendreieck deutlich in die Hochfläche zurückgesetzt.
Wie steht die Stiftung zur Höhe der Anlagen?
Mit einer Nabenhöhe von 150m und einer Gesamthöhe von 218m bei senkrecht stehendem Rotorblatt werden die Bauwerke zu den größten Windkraftanlagen gehören. Da sich die Energiewende aber nur mit Anlagen dieser Größe bewerkstelligen lässt, ist dies der Preis, der bezahlt werden muss. Im Vergleich zu den anderen Energiealternativen ist dies ein verhältnismäßig geringer Preis.
Wer meint, man könne die Energiewende ohne eigenen Einsatz bewältigen, wird sich in ein paar Jahren über die Strompreise wundern, die er zu bezahlen hat.
Wie wird die Optik dieser Anlagen sein?
Wie die Anlagen für den einzelnen Betrachter auf das Landschaftsbild wirken, kann heute noch niemand sagen. Auch diejenigen, die heute schon von „Monstern“ reden, können es nicht wissen. Tatsache ist, dass sich die Anlagen in mindestens 2,2km Entfernung zur Stadtkirche Gaildorf befinden werden und dort dann einen anderen optischen Eindruck entstehen lassen, wie wenn sie direkt neben der Stadtkirche erbaut werden würden.
Fakt ist auch, dass mit dem Wasserreservoir der „breite Teil“ der Anlage durch die Bäume verdeckt sein wird und sich die Türme nach oben hin deutlich schlanker geben werden, als z.B. der Fernsehturm von Stuttgart.
Wird die Anlage Lärm machen?
Wir sind aus der Erfahrung des Besuches unterschiedlicher Standorte überzeugt:
Es wird keine Lärmbelästigung durch die Windkraftanlagen geben. Es wird fraglich sein, ob man überhaupt etwas von den Anlagen hört, da auch in der Nacht in unserer Region Umgebungsgeräusche zu hören sind, die stärker sind als die fernen Geräusche der Rotoren. Ebenso wenig wird eine beeinträchtigende Belästigung durch Schattenwurf auftreten. Das hat der TÜV in seinen Gutachten als eine unabhängige und sorgfältig arbeitende Prüfeinrichtung bestätigt.
Was ist mit Infraschall?
Wir schließen uns der herrschenden wissenschaftlichen Meinung an, dass der Infraschall dieser Anlagen in der Entfernung zur Wohnbebauung keinerlei Auswirkungen hat.
Hierzu wurden auch in Leserbriefen gute, vertiefende Aussagen geliefert.
Wir nehmen zur Kenntnis, dass im Internet andere Meinungen kursieren, die von negativen Auswirkungen von 10km bis 20km Entfernung ausgehen.
Da wir unabhängig von dem Naturstromspeicherprojekt in den kommenden Jahren die Energiewende nur mit Anlagen innerhalb dieser Entfernungen bewerkstelligen können, sehen wir eine Verengung der Diskussion im Hinblick auf dieses Projekt mit seinen lediglich vier Anlagen als nicht zielführend an.
Wie steht die Stiftung zum Bürgerentscheid?
Die Stiftung begrüßt es, dass ein Bürgerentscheid durchgeführt wird. Die Stiftung möchte nicht gegen eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger von Gaildorf handeln.
Ein Bürgerentscheid kann rechtlich nur über Angelegenheiten erfolgen, die der Gemeinderat normalerweise entscheidet. Daher die Fragestellung, ob die Bürger damit einverstanden sind, dass die Stadt Gaildorf Flächen für das Projekt Naturstromspeicher zur Verfügung stellen soll.
Die Stiftungsgrundstücke sind von der Fragestellung zunächst nicht betroffen.
Im Ergebnis wird das Projekt ohne die Grundstücke der Stadt jedoch nicht möglich sein, da mit der Fläche für die Flutmulde ein zwingend notwendiger Bestandteil des Projektes sich im Eigentum der Stadt befindet.
Sollte das Quorum für eine rechtliche Bindung des Bürgerentscheids nicht erreicht werden, muss der Gemeinderat eine Entscheidung treffen.
Hierbei wird ausschlaggebend sein, wie sich das Verhältnis der abgegebenen Nein-Stimmen zu den abgegebenen Ja-Stimmen gestaltet und wie die nicht abgegebenen Stimmen bewertet werden.
Wir von der Stiftung wünschen uns ein Ergebnis, das keine unterschiedlichen Interpretationen zulässt und werben für eine aktive Teilnahme am Bürgerentscheid.
Wie steht die Stiftung zur „Naturstromspeicher Gaildorf GmbH und Co KG“?
Mit Herrn Alexander Schechner als alleinigem Gesellschafter der GmbH lernten wir einen Vertragspartner kennen, der das Projekt im Interesse einer echten Alternative zu schädlicheren Energieformen alleinverantwortlich entwickelt. Er wird dabei von drei international führenden Firmen unterstützt, die dem Projekt einen hohen Stellenwert beimessen, die Entwicklung fördern und Spitzentechnologie zum Einsatz bringen wollen.
Nicht richtig ist jedoch, dass diese Unternehmen das Projekt durchsetzen wollen.
Ein Pilotprojekt kann nur mit einer breiten Unterstützung der Bevölkerung erfolgreich werden.
Herr Schechner ist zudem in unserer Region als solider bodenständiger Familienunternehmer kein Unbekannter, da er hier zusammen mit seinem Vater Kleinwasserkraftwerke betreibt und so sein Knowhow schon seit vielen Jahren unter Beweis gestellt hat.
Wie steht die Stiftung zu den Gegnern des Naturstromspeichers?
Wir respektieren andere Meinungen und verschließen uns nicht einer sachlichen Diskussion. Dies sollte aber auf einer Ebene stattfinden, auf der man dem anderen nicht von vorneherein den Willen abspricht, für das Allgemeinwohl handeln zu wollen.
Möchte sich die Stiftung an dem Naturstromspeicherprojekt finanziell beteiligen?
Wir möchten dies von vorneherein nicht ausschließen, haben darüber jedoch noch keine Beschlüsse getroffen, weil der Zeitpunkt dafür noch verfrüht ist.
Generell würden wir es sehr begrüßen, wenn das Projekt finanziell auch bei der Stadt und ihren Bürgern verankert wäre, damit unsere Region in verschiedener Hinsicht davon profitieren kann.
V.i.S.d.P.
Graf von Pückler und Limpurgsche
Wohltätigkeitsstiftung
Graf-Pückler-Straße 19
74405 Gaildorf
Tel.: 07971-9533-0
info@graf-pueckler.de
www.graf-pueckler.de